Dezember 2025
Welche Aktienmärkte bieten aktuell das größte Potential?
Obwohl wir die „Börsenlieblinge“ im Jahr 2025 in unseren Fonds konsequent gemieden haben, allen voran hoch bewertete US-Technologieunternehmen, konnten wir mit unserer antizyklischen Anlagephilosophie im laufenden Jahr hohe zweistellige Wertzuwächse erzielen. Fernab des Mainstreams boten uns u.a. asiatische und lateinamerikanische Unternehmen, europäische Banken und Rohstoffwerte aber auch Edelmetalle lukrative Opportunitäten. Doch welche Aktienmärkte bieten zukünftig noch überdurchschnittliche Chancen?
Welche Aktienmärkte bieten aktuell das größte Potential?
Zahlreiche Studien belegen: Das langfristige Aktienmarktpotential wird maßgeblich durch die Aktienmarktbewertung bestimmt, zumindest wenn man sich an aussagekräftigen Indikatoren wie dem zyklisch adjustierten Shiller-CAPE orientiert.
Auf Basis dieser Zusammenhänge lassen sich zwar keine kurzfristigen Marktprognosen erstellen, jedoch lässt sich der faire Wert eines Aktienmarktes und dessen langfristiges Kurspotential zumindest grob abschätzen. Ebenso lassen sich historische Einstiegsgelegenheiten identifizieren.
So zeigt sich bspw. für den deutschen Aktienmarkt aktuell eine neutrale Bewertung. Durch die Kursverdoppelung nach den letzten großen Kaufgelegenheiten infolge der Ukraine-Invasion im Jahr 2022 notieren deutsche Aktien mit einem Shiller-CAPE von 18,8 aktuell 2% über ihrem „fairen“ Wert. In den letzten Jahrzehnten folgten auf vergleichbare Bewertungen in den folgenden 10-15 Jahren jährliche Wertzuwächse von 5,9% p.a. (zzgl. Inflation, siehe Spalte „Forecast“).
Wer größeres Kurspotential sucht, wird derzeit nur bei weniger beachteten oder unbeliebten Märkten wie Südkorea (Kurspotential zum Fair-Value 41%), Brasilien (Kurspotential zum Fair-Value 7%) oder China (Kurspotential zum Fair-Value 4%) fündig. Auf deren attraktive Bewertungen folgten historisch langfristig überdurchschnittliche Wertzuwächse von jährlich 6-9% p.a. über die folgenden 10-15 Jahre.
In Japan und zahlreichen europäischen Ländern zeigen sich dagegen eher neutrale Bewertungen. Die bei Anlegern überaus beliebten US-amerikanischen Aktien würden dagegen erst nach einer Kurshalbierung wieder auf historisch üblichen Niveaus notieren. In der Vergangenheit stagnierten US-Aktien nach vergleichbar hohen Bewertungen längerfristig unter hoher Volatilität. Die folgende Abbildung gibt einen Einblick, welche Wertzuwächse in den letzten 140 Jahren auf vergleichbar hohe Bewertungen in den USA folgten.
Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen im S&P 500 gerade einmal jährliche Wertzuwächse zwischen -5% und 3% erwarten, was einem S&P 500 von 4.500 bis 14.100 Punkten in 15 Jahren entspräche. Auf Sicht von drei Jahren folgten auf vergleichbar hohe Bewertungen im Durchschnitt überwiegend Kursverluste.
Sofern die letzten 140 Jahre repräsentativ für die Zukunft sind, liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 50%, dass der S&P 500 Ende 2028 unter dem aktuellen Kursniveau notiert. Es wäre aus historischer Sicht nicht einmal ungewöhnlich, wenn der S&P 500 noch in 15 Jahren unter dem aktuellen Kursniveau notieren würde.
Anleger, die sich außerhalb des US-Marktes engagieren, können deutlich optimistischer in die Zukunft blicken: Wenn man bspw. die langfristige Renditeerwartung für Deutschland von knapp 6% p.a. für die nächsten 15 Jahre ansetzt, käme man auf einen DAX von ca. 73.000 Punkten im Jahr 2040. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% sollte der DAX in 15 Jahren zwischen 56.000 und 96.000 Punkten notieren.
Auch mittelfristig fällt das Enttäuschungspotential deutlich geringer als im US-Markt aus: In den nächsten drei Jahren dürfte der DAX mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 26.400 und 36.400 Punkten notieren. Rückschläge auf unter 21.600 Punkte traten auf Sicht von drei Jahren bislang nur in weniger als 10% aller vergleichbaren Untersuchungsperioden auf, d.h. es erscheint aus empirischer Sicht unwahrscheinlich, dass der DAX Ende 2028 tiefer als heute notiert.
Wir nutzen diese Erkenntnisse in unseren Portfolios, indem wir attraktive Regionen in Asien und Europa übergewichten und in diesen systematisch nach antizyklischen Kaufgelegenheiten suchen, während wir überbewertete Aktienmärkte wie die USA meiden bzw. in diesen auf zurückgebliebene Unternehmen setzen.
Auch bei den investierten Sektoren legen wir unseren Schwerpunkt bei Branchen, die relativ zur eigenen Historie attraktiv bewertet sind. Dies sind aktuell vor allem zyklische Branchen wie Rohstoffwerte, aber mittlerweile auch wieder einige defensive Branchen wie Gesundheit und nichtzyklische Konsumtitel. Titel aus dem Bereich Technologie und Kommunikation sind hingegen mehrheitlich zu teuer, um es in unsere Portfolien zu schaffen.
Antizyklisches Investment des Monats:
Novo Nordisk
Novo Nordisk A/S ist ein dänischer Pharmakonzern mit Fokus auf chronische Stoffwechselstörungen und seltene Erkrankungen. Das Kerngeschäft sind Diabetes- und Adipositastherapien (>90 % des Umsatzes) über die Semaglutid-Produkte Ozempic, Wegovy und Rybelsus, ergänzt um ein breites Insulinportfolio und ein kleineres Segment für seltene Krankheiten. Mehr als die Hälfte der Umsätze stammt aus Nordamerika, wo der wichtigste GLP-1-Wettbewerber Eli Lilly mit den Präparaten Mounjaro und Zepbound ist.
Seit Mitte 2024 hat die Novo Nordisk-Aktie rund zwei Drittel ihres Werts verloren und die globalen Aktienmärkte sowie andere Pharmawerte deutlich underperformt. Letztes Jahr war Novo noch Europas wertvollstes Unternehmen und das Vorzeigeunternehmen der Branche; heute sprechen Anleger von einem „one-trick pony“, das weniger als fünf Jahre vor dem Patentablauf für seine Blockbuster steht und von Eli Lilly und chinesischen „unregulierten“ Wettbewerbern überrollt wird.
Dieser Stimmungsumschwung erinnert an Benjamin Grahams „Mr. Market“. Bei Kursen um 1.000 DKK waren die Anleger zu optimistisch für Novo Nordisk, Enttäuschungen hatten kaum Platz in der Bewertung. Bei Kursen um 300 DKK erscheinen die Abwärtsrisiken nun aber übertrieben.
Novos Aussichten hängen weiterhin stark von Semaglutid ab, allerdings bieten (leider für die Menschheit) Diabetes und Adipositas weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial. Zwar hat Eli Lilly Novo im US-Markt für Adipositasbehandlungen überholt, doch Novo bleibt eine solide Nummer zwei, liegt in weiten Teilen der übrigen Welt vor Eli Lilly und verteidigt im Diabetesbereich schon seit Jahrzehnten die Marktführerschaft.
Die zentrale Frage für Novo bleibt indes die Preissetzungsmacht. Unregulierte Konkurrenzprodukte, ein starker Rivale mit besseren Gewichtsverlustdaten (Eli Lilly) und Preisdruck in den USA sprechen alle für sinkende Preise und Margenrisiken. Dem stimmen wir im Grundsatz zu – aber hat sich das Marktumfeld seit dem Aktienhoch Mitte 2024 wirklich so stark geändert? Das Auslaufen des Semaglutid-Patents ist seit Langem bekannt, und der Markt bleibt vorerst ein Oligopol mit attraktiven Fundamentaldaten. Und die US-Rabattverhandlungen führten zwar zu großen Schlagzeilen, die Ergebnisse lagen effektiv aber nicht wesentlich unter dem, was Pharmacy Benefit Manager bereits ausgehandelt hatten, sodass der Margenrückgang verkraftbar sein dürfte, auch dank neu zugänglicher Kundengruppen.
Wir sind also vorsichtig aber nicht verzweifelt hinsichtlich der Fundamentaldaten von Novo Nordisk. Unser Investment Case fußt indes primär auf der Bewertung der Aktie. Bei einem KGV von über 50 war Novo Nordisk nicht attraktiv für uns. Heute wird der Titel mit etwa dem 14-fachen der Gewinne gehandelt und mit einem deutlichen Abschlag zu globalen Aktien und Gesundheitswerten – trotz weiterhin starkem Wachstumspotenzial bei Diabetes und Adipositas, hoher Profitabilität und solider Bilanz. Wir haben Novo daher bei Kursen um 300 DKK ins Portfolio aufgenommen, da wir glauben, dass der aktuelle Kurs eine seltene Chance für langfristig orientierte Anleger bietet.
Aktuelle Transaktionen im TT Contrarian Flexible im November 2025
Keine Anlageberatung, die abgebildeten Transaktionen veranschaulichen lediglich unsere Vorgehensweise. Quelle: Taunus Trust.
Die Portfolioausrichtung im TT Contrarian Flexible wurde im November nur leicht angepasst. Zum einen wurden kurzlaufende Anleihen bester Bonität leicht aufgestockt, um etwas höhere Renditen als im Geldmarkt zu erzielen und gleichzeitig die Stabilität des Portfolios in potentiellen Aktienkorrekturen zu erhöhen. Im Gegenzug wurde eine Volatilitätsstrategie verkauft, deren Reaktionsprofil in der Korrektur Mitte November enttäuschte. Zusätzlich wurden einige zurückgebliebene Aktientitel aufgestockt und mit Ramelius Resources eine weitere Goldminenaktie sowie mit Novo Nordisk ein weiterer, stark vergünstigter Pharmatitel neu aufgenommen.
Sollten Sie Rückfragen haben oder weitere Informationen wünschen, können Sie sich jederzeit gerne an uns wenden.
Sollten Sie Rückfragen haben oder weitere Informationen wünschen, können Sie sich jederzeit gerne an uns wenden.
Viele Grüße aus Bad Homburg,
Ihr Team der Taunus Trust
Jan David Meyer
Portfoliomanager
Norbert Keimling
Portfoliomanager
Euro am Sonntag: Gegen den Trend
Nvidia und Apple? Fehlanzeige. Die Investmentboutique Taunus Trust verfolgt eine konsequent antizyklische Investmentstrategie. Im Portfolio des im Dezember 2024 aufgelegten TT Contrarian Flexible sucht man die beiden Aktien daher vergeblich. Als besonders attraktiv stufen die Fondsmanager vielmehr Aktien aus dem Reich der Mitte ein…
Zum Artikel (Euro am Sonntag)
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Weiterführende Informationen
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Der TT Contrarian Flexible ist ein chancenorientierter, vermögensverwaltender Fonds welcher eine antizyklische Anlagestrategie verfolgt.
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TT Contrarian Global
Der TT Contrarian Global ist ein chancenorientierter internationaler Aktienfonds, der eine antizyklische Anlagestrategie verfolgt.